Der Wirt hatte einen Traum

Gianni Pasin

 

 

Mitten auf dem Land gibt es ein Haus, das viel zu erzählen hat

Vierzig Jahre menschliche und berufliche Erfahrung als Weltenbummler. Dann die Rückkehr in den heimatlichen Veneto, um in den Wurzeln den Sinn eines ganzen Lebens zu wiederzufinden. Leidenschaftlich, frohen Mutes und mit großer Lust auf einen Neubeginn

Was macht bloß ein Unternehmer und Erschaffer einer international führenden Firma auf dem Land, während er die Gläser seiner Gäste in der gerade gegründeten Osteria füllt? Denkbar einfach: Er findet zu seinem Ursprung zurück auf einer Reise in die Vergangenheit, die Bräuche und Traditionen des Landes zu Tage bringt. Der fruchtbare und großzügige Boden des schon im Altertum hoch geschätzten venetischen Landes (übrigens wurden in kurzer Entfernung von hier die Überreste einer römischen Brücke gefunden).

La Casa dei Racconti

Der Unternehmer heißt Gianni Pasin, der 1995 Master Italia S.p.A., einen der wichtigsten europäischen Hersteller von Sportcaps unter der berühmten Marke Atlantis, entwickelt hat.

Das Gebiet ist das um Ceggia in der Provinz Venedig zwischen den Flüssen Piave und Livenza. Die «Osteria» – so nennt sie Pasin gern, obwohl es sich um viel mehr handelt –, heißt La Casa dei Racconti. Ein elegantes Country House mit Osteria und Restaurant, sechs Schlafzimmern für das Bed & Breakfast, einem großen Saal für Feste oder Tagungen, Schwimmbad mit Solarium, Park-/Gartenanlage und Wald. Ein kleines Naturparadies, bequem zu erreichen sowohl von Venedig als auch von Treviso.

Ein Leben unterwegs

In der Geschichte des Unternehmers und Menschen Gianni Pasini ist die Idee des Reisens überhaupt nicht wegzudenken. Anfang der 70er begann er als Buchhalter für ein Unternehmen nahe Venedig zu arbeiten, wurde sich aber recht bald bewusst, dass er andere Orte sehen, andere Bräuche und Völker kennenlernen wollte: nicht wie die meisten im Urlaub, sondern durch einen direkten Einblick in neue Realitäten. Genau wie die Reisenden, die neue Erfahrungen sammeln und sie sich zu Eigen machen, erfährt er auch mehr über sich selbst.

1975 reifte der Entschluss, im Auftrag eines großen italienischen Unternehmens in Nigeria zu arbeiten. Die Erfahrung in Afrika wird zum entscheidenden Erlebnis: Auf seiner Rückkehr nach Italien beschließt er, die Sahara zu durchqueren. In den Lastwagen und Autos von während der Fahrt kennengelernten Leuten erreicht er schließlich auf abenteuerliche Weise Algier. Eine schwierige und doch so faszinierende Reise, deren Erinnerung ihn noch mehr als einmal nach Afrika führen sollte.

Während der beiden darauffolgenden Jahrzehnte war Pasin für zahlreiche Unternehmen der Werbeartikelbranche tätig, bis ihm eine große Erleuchtung kam: Da er die noch nicht ausgeschöpften Potenzialitäten der Sportcaps erkannte, beschloss er, dieses Marktsegment ins Augen zu fassen und ein sich ausschließlich auf diese Produktion fokussiertes Unternehmen zu gründen. 1995 wurde er zum Vollblutunternehmer und erntete mit Master Italia S.p.A. einen bisher noch nicht zum Stillstand gekommenen internationalen Erfolg.

Als Mitarbeiter anderer Unternehmen und umso mehr in eigener Sache hat Pasin die Welt bereist und jeden ihrer Winkel kennengelernt. Aus beruflichem Engagement, aber auch aus Leidenschaft: für die so unterschiedlichen Sitten, Bräuche und Kulturen, die über unserer Erde gestreut sind und ihre zahllosen Seelen und Gefühlswelten verkörpern,

Wieder und immer noch auf Reisen: diesmal in den Erinnerungen

Nach Abschluss seiner langen Karriere begab sich Pasin auf die Erkundung seiner selbst und widmete sich dem Projekt Casa dei Racconti. Der Geschichte eines heute zumeist verschwundenen Veneto der Tradition, zwar mit einfachen, doch aufrichtigen Umgangsformen. An einem der Tische unter der großen Loggia, die den Hof abschirmt, erklärt er uns, weshalb das „Haus“ weitaus mehr ist als ein physischer Ort der Zusammenkunft ist. «Vor allem würde ich gern», sagt er «eine bestimmte Atmosphäre heraufbeschwören. Dieses Gefühl, willkommen zu sein, das einst dem Gast vorbehalten war. Während unserer Plauderei am späten Nachmittag eines Sommertags schallt gedämpftes Kinderlachen vom Schwimmbad zu uns herüber. Auf dem Klavier gleich neben uns stimmt jemand eine kurze Melodie an. «Wer uns aufsucht, kommt nicht so sehr, um zu Abend zu essen», fährt er fort, «sondern vielmehr, um sich zu unterhalten, zu entspannen, um Musik zu machen oder zu hören, im Park zu spazieren, um Entspannung in der Natur zu suchen». Die Idee besteht auch darin, hier die an anderen Orten «wie zum Beispiel in der so häufig besuchten Toskana oder in der Provence und auch anderswo» erlebten Gastfreundschaft wiederaufleben zu lassen. Eine Hommage an die alte venetische Kultur, jedoch nicht nur. «Was zählt, sind wie immer die Menschen und ihre Beziehungen zueinander. Ich stelle mir gern vor, dass das „Haus“, so wie es ist und wie man die Zeit darin verbringt, auf irgendeine Weise durch mich geprägt ist».

Neu entdeckte, alt überlieferte Geschmackserlebnisse

Das Schlüsselwort lautet auf jeden Fall Einfachheit. Wer zu Abend essen möchte, der findet ein gastronomisches Angebot, das im Wesentlichen auf die zuweilen mit einem originellen Etwas neu interpretierten Gerichte der einheimischen Tradition zugeschnitten ist. Auf großen Anklang stoßen zum Beispiel die schmackhaften Varianten des Baccalà (Stockfisch), die bei Herstellern vor Ort ausgewählten Schinken- und Wurstwaren und Käsesorten, aber vor allem die mit rotem oder weißem Fleisch oder auch Fisch zubereiteten Hackbällchen. Ein Teil des Gemüses stammt aus dem Gemüsegarten des „Hauses“. Die getroffene Weinauswahl – vor allem aus dem Veneto und dem Friaul, aber auch aus der Toskana – erweist sich immer auf der Höhe der Erwartungen.

Und Gianni Pasin hat zudem verschiedene andere Neuheiten im Sinne, sowohl kulinarischer als auch anderer Art, mit denen er den Aufenthalt seiner Gäste noch angenehmer gestalten möchte.

 

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